Digitale Räume neu denken: Rückblick auf den LAG Salon zu Sozialen Medien

Wie sehen soziale Medien aus, die uns verbinden und nicht gegen uns arbeiten? Diese Frage stand im Zentrum des LAG Salons, den die LAG Digitales und Netzpolitik gemeinsam mit der AG Kinder, Jugend und Familie im Lovelite in Berlin veranstaltet haben. In einer Zeit, in der die Debatte um soziale Medien oft zwischen totaler Verbotsforderung und resignierter Geschäftsmodell-Akzeptanz schwankt, wollten wir eine differenzierte Perspektive schaffen.

Zusammen mit Ralf Stockmann (Direktor Digitale Entwicklung an der ZLB), Dominik George (Techkids e.V.) und Charlotte Mysegades (Weizenbaum Institut) haben wir diskutiert, wie wir die Rechte von Kindern und Jugendlichen schützen können, ohne sie aus der digitalen Teilhabe auszuschließen.

Weg von Verboten, hin zur Befähigung

Ein zentrales Ergebnis der Diskussion: Einfache Altersbeschränkungen oder Verbote greifen zu kurz. Dominik George verdeutlichte anhand von Beispielen aus Australien, dass Jugendliche Wege finden, Sperren zu umgehen – doch dann tun sie dies ohne pädagogische Begleitung. Anstatt die Jugendlichen zu „schützen“, indem man sie ausschließt, müssen wir sie befähigen, die Mechanismen hinter den Plattformen zu verstehen.

Medienbildung darf nicht mit Informatikunterricht verwechselt werden. Es geht um Media Literacy und Resilienz. Wir müssen in unseren Schulen und Familien eine Kultur schaffen, in der wir gemeinsam hinterfragen, warum uns bestimmte Inhalte ausgespielt werden und wie Algorithmen unsere Wahrnehmung manipulieren.

Die Macht der Oligopole brechen

Die aktuellen Geschäftsmodelle der großen Tech-Konzerne – getrieben von Steuervermeidung, Überwachung durch personalisierte Werbung, und dem Gestalten von Suchtpotenziale – sind nicht mit demokratischen Werten vereinbar. Ralf Stockmann brachte es auf den Punkt: „Big Tech won’t save us.“ Die Mechanismen dieser Plattformen dienen nur ihrem eigenen Profit, nicht dem gesellschaftlichen Austausch.

Ein wichtiger Impuls war die Forderung nach „digitalen dritten Orten“. Hier können unabhängig von Google, Apple und Co. durch dezentrale Netzwerke geschaffen werden. Vereine, Kitas und Schulen könnten dann Kommunikation von Mitgliedern, Eltern oder Jugendlichen organisieren, ohne die oben genannten Nachteile.

Regulierung mit Biss und Rechtsstaatlichkeit

Auch die juristische Perspektive war essenziell. Charlotte Mysegades erläuterte, wie der Digital Services Act (DSA) bereits Schutzpflichten für sehr große Online-Plattformen (VLOPs) festlegt. Doch die Durchsetzung hinkt oft hinterher, etwa weil Firmensitze in Irland die nationale Umsetzung erschweren.

Eine Möglichkeit etwas zu ändern, sind daher strengere Konformitätsverfahren – insbesondere bei KI-Systemen, bevor diese den Markt erreichen – und ein Verbandsklagerecht. Es sollte nicht sein, dass der Schutz vor Hate Speech oder schädlichen Algorithmen eine individuelle Aufgabe ist, für die man eigene Anwält*innen braucht.

Gemeinsam die digitale Welt verändern

Statt unsere Energie dafür zu verwenden gegen die technologischen Windmühlen zu kämpfen, können wir uns gemeinsam in offeneren digitalen Räumen organisieren. Auf dem Abend haben wir ein Bewusstsein dafür entwickelt, welche andere digitalen Welten möglich sind.

Das bedeutet konkret: mehr Mut zu alternativen, gemeinschaftlich verwalteten Räumen! Wir laden euch ein, diesen Weg mit uns zu gehen und die digitale Transformation so zu gestalten, dass sie inklusiv, transparent und menschenrechtsbasiert ist.